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Revelate Design Viscacha – die Satteltasche fürs Grobe

Als ich mich das erste mal ernsthaft für Bikepacking interessierte war das „Taschenkonzept“ für mich Neuland. Als normaler Transalp-Fahrer gab es für mich bis dato nur den Rucksack, gut gefüllt und meist recht schwer.
Die erste richtige „Bikpacking-Tasche“ die ich damals im Netz fand war die Viscacha von Revelate Design. Sie stach mir sofort ins Auge. Wie es der Zufall wollte hielt ich irgendwann während einer Tour bei einem Radhändler und Freund in der näheren Umgebung. Ich erzählte ihm von den nächsten Projekten die ich so plante und er erzählte mir von seiner Tour nach Griechenland. Per Rad, mit Sack und Pack – ihr ahnt es schon – an seinem Bike war die Viscacha dran. Eins ergab das andere und schon war seine Tasche an meinem Rad. Schlussendlich hab ich mit ihr fast 2300km verbracht. Dann durfte sie wieder zurück – Vielen Dank an dieser Stelle an Meik von Meiks Bikes für die nette, unkomplizierte Leihgabe.

 

Zur Tasche

 

Schwarz ist sie. Ein bisschen rot durch die Nähte und oben drauf, klein aber gut sichtbar das Firmenlogo. Vier Ösen auf der Oberseite bieten die Möglichkeit mit

Gummizug z.B. eine leichte Regenjacke einfach und griffbereit zu befestigen. Ein breites Klettband, um die Tasche sauber an der Sattelstange zu befestigen. Zwei Riemen mit Schnappverschluss zum Schließen und komprimieren wenn die Viscacha gepackt und das Ende aufgerollt ist. Und nicht zu vergessen, die beiden Spannriemen, ebenfalls mit Schnappverschluß zum Befestigen der Tasche am Sattel. Je nachdem wie weit hinten/vorne der Sattel an der Sattelstütze befestigt ist, kann man das rutschsichere Band zur Befestigung durch eine der zwei Schlaufen auf der Oberseite führen.  Dieses wird durch das Sattelgestellt geführt und mir den beiden Spannriemen verbunden. Der Stoff macht einen sehr robusten Eindruck. Einlagen aus Schaumstoff versteifen die Front und eine flexible Bodenplatte aus Kunststoff stützt fast über die gesamte Länge der Tasche.  Die Unterseite ist etwas verstärkt gegen aufspritzendes Wasser und Dreck. Schaut man sich das Innere der Tasche genauer an, findet man einen weiteren Spannriemen. So kann man den ersten Teil vom Inhalt komprimieren und nahezu formschlüssig in die Front der Tasche pressen. Mit ca 410gr ist sie nicht unbedingt ein Leichtgewicht. Dafür ist je nach Bedarf und gut geschützt 6-14 Liter Stauraum vorhanden. Und der Preis – stolze 184,99€ UVP.

In der Hand – der erste Kontakt

 

Zuerst packen und dann ran an die Stütze oder gleich ran und dann beladen? Im ersten Fall kann man die Viscacha sehr gut packen und vor allem perfekt komprimieren. Das an die Sattelstütze montieren ist so aber kein Geschenk mehr. Dafür sieht man aber sehr gut, durch welche Schlaufe auf der Oberseite das gummierte Band für die Spannreimen geführt werden muss. An der Mitte ist dieses mit ein bisschen Klett versehen. Kleines Teil – große Wirkung. Verrutschen tut da nix mehr. Danach den Inhalt raus und ran damit. Der breite Klettverschluss der die Sattelstütze umschließt hält bombenfest und lässt sich wirklich gut festziehen. Aber Obacht – rund 13cm freie Sattelstütze sollten es schon sein. Auf den Abstand zum Hinterreifen sollte man auch ein Auge haben. Voll beladen am Hardtail ist das kein Problem. Beim Fully muss man aber beachten dass sich beim einfedern der Abstand zur Tasche je nach verfügbaren Federweg erheblich verringern kann. Tasche dran – Sachen rein. Ich empfehle den Spannriemen im Inneren wenn möglich zu nutzen. So lässt sich das gute Stück deutlich stabiler anbringen. Zum Schluss so weit es geht aufrollen, links und rechts einklipsen und Riemen spannen.

Im Einsatz – Stärken und Schwächen

Der erste Ausritt führte mich von Murnau am Staffelsee nach Bad Tölz. Die Isar entlang bis kurz hinter Freising, queren bis zur Abens. Flott weiter bis Kehlheim an der Donau und dann saftig durch den Forst hoch bis kurz vor Hemau in der Oberpfalz. Also streckentechnisch gut ausgebaute Radwege, perfekte schnelle Schotter- und kurze Waldpisten und zum Schluss ein knackiger Anstieg. Befestigt war mein neuer Begleiter an meinem Singlespeed Crosser. Im sitzen fiel die Tasche nicht auf. Ich fuhr einfach. Doch kurz nach Kehlheim ging es steil hinauf und im Wiegetritt spürt man sie dann. Sie wackelt. Nicht extrem aber sie tut es. Ich brauchte ein bisschen, Gewöhnung ist ja bekanntlich alles – dann war das kein Problem mehr.
Als ich kurze Zeit später mit dem MTB durch das zugeschneite und teils vereiste Eschenlainetal fuhr war sie wieder im Einsatz. Eine nasse Furt ? – drauf und durch. Pfützen im Tal ?- durch. Sie wurde an diesem Tag wirklich nicht geschont. Wasser in nicht geringen, rauen Mengen, von fast allen Seiten. Absolut wasserdicht ist sie nicht – das sagt auch Revelate Design. Aber sehr stark wasserabweisend. Und das kann ich auch bestätigen. Es drang zwar Feuchtigkeit ein – wirklich viel war es aber nicht.
Und somit hatte ich bei der Transcimbrica (ca 1450km HH-SK-HH) zwei leichte wasserdichte Packsäcke in der Satteltasche. Knapp unter 6 Tagen war ich unterwegs. Jeden Abend Tasche auf und raus was man braucht. Und am Morgen wieder verpacken. Mit den beiden Packsäcken ging das gut von der Hand. Während der Fahrt hat sie sich bei mir nie wirklich gelockert. Eher hatte ich mal schlecht beladen. Im Vergleich mit dem ein oder anderem Mitfahrer fiel aber schon auf, dass sich Satteltaschen anderer Fabrikate (z.B. Ortlieb) doch deutlich weniger im Wiegetritt bewegen. Für mich kein Durchfallkirterium, aber ich will es erwähnt haben.
Irgendwann muss das gute Stück ja wieder runter. Sauber machen is auch mal dran und siehe da – Abnutzungsspuren waren nur sehr wenig zu sehen. Feuchtigkeit, Sand, Matsch und was sonst noch alles dran war machten ihr nicht wirklich etwas aus. Sie ist und bleibt sehr robust. Leicht in der Handhabung. Ein treuer Begleiter. Einzig eine Befestigung zum Anbringen eines Rücklichtes hätte ich mir noch gewünscht. Und das fahren im Trail ist auch etwas begrenzt. Voll bepackt steht sie gut hinten raus und die Bewegungsfreiheit ist eingeschränkt. Beachtet man das (Routenwahl, eigene Fähigkeiten) und stellt sich darauf ein ist das kein Problem.

Fazit

Die Revelate Design Viscacha ist mit 184,99€ UVP kein Schnäppchen. Dafür erhält man einen langen, treuen Begleiter. Äußerst robust, extrem wasserabweisend, leicht in der Handhabung. Mit 6-14 l Stauraum gibt es viel Platz für Ausrüstung. Über 400gr Eigengewicht sind gerechtfertigt, bedenkt man die Haltbarkeit der Viscacha. Leider fehlt eine Befestigungsmöglichkeit für ein Rücklicht. Im Trail bewegt sie sich teils ordentlich an der Sattelstange. Das „hinter den Sattel gehen“ ist sehr eingeschränkt möglich. Wer eine Satteltasche sucht, die ihn lange und sorgenfrei begleitet wird mit der Viscacha bestimmt glücklich.

Lobby-Control

Die Satteltasche wurde mir von einem befreundetem Bikeshop zum Test mehrmals für ein paar Tage überlassen und ging danach zurück an den Besitzer. Auch wenn ich sie gerne behalten hätte. Eine Vergütung hierfür gab es weder von Meiks Bikes noch von Revelate Design.

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