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Orbit 360 – NRW (plus)

Orbit 360 ist die erste deutsche Gravel – Serie – 16 Bundesländer, 16 Orbits, fahrbar in der Wertung als Challenge/Race oder einfach zum austoben und genießen. Herausfordernd sind die Rundkurse allemal. Das Feedback ist unglaublich gut. Den Gravel-Spielplatz mal ganz ausreizen. Abenteuer, Erlebnis, Eindrücke, Spirit.

André Kniepkamp ist den Orbit NRW angegangen. Langsam, locker, mit ein paar extra Kilometern. Dafür mit der Kamera und einem Plan. Wer ihn noch nicht kennt – HIER könnt ihr ein Interview lesen und HIER seinen Bericht über den Tuscany Trail. Und jetzt viel Spaß mit seinem Orbit NRW (plus) Abenteuer 😉

Text+Bilder: André Kniepkamp

Als ich das erste Mal den Track vom Orbit in NRW angeschaut habe, war mir ziemlich klar, dass ich das nicht in einem Rutsch schaffen würde.

Also habe ich das von vornherein als Overnighter geplant. Und weil ich finde, dass man nicht nur durch schöne Landschaften fährt, sondern außerdem noch über geschichtlich und politisch sehr interessanten Boden kurbelt, habe ich beschlossen, dass ich das dokumentieren möchte. Also kamen zu dem sehr reduzierten Übernachtungsgepäck, den Riegeln, der Regenjacke, dem Akkugedöns noch meine analoge Kamera und Filme, was nochmal 900gr. mehr bedeutet.

Zusätzlich habe ich noch zwei Abstecher vom Track gemacht, ich wollte unbedingt in Vogelsang und Wollseifen vorbei und ein bestimmtes Soldatengrab im Hürtgenwald besuchen.

Was das allerdings bedeutet, sollte ich später noch erleiden …

Gesagt, getan, Sonntag morgen sollte es sehr früh losgehen, das Glas Wein mit der Gattin am Abend vorher gestaltete den Start allerdings ein bisschen zäher.

Seis drum, auf zum Stadion und los! Über schöne und noch menschenleere Wege ging es durch die Parks von Köln relativ flott aus der Stadt raus, vorbei an den schönen Seen im Villeforst, alles war noch ruhig, das Wetter war prima. Bis Euskirchen erwartete ich entspanntes Warmkurbeln ohne große Probleme. Ich hatte die Rechnung allerdings ohne den Wind gemacht, der natürlich von vorne kam. Na Bravo.

Kurzer Kaffeestop in Euskirchen, weiter gings, die Eifel wartet.

Und wer die Eifel kennt, weiss, es geht IMMER bergauf oder bergab. Aber toll ist das da, wunderschöne Wälder, Talsperren, steile Anstiege und richtig gute Abfahrten! Dimi hat da wirklich mal wieder gezaubert! Eins meiner Highlights war die Dreiborn Hochfläche, über die ging es nach etwas gemeiner Kletterei nach Dreiborn und etwa in der Gegend wollte ich auch schlafen. Das Problem war nur der Wind, der immer noch heftig blies … Nach längerem Suchen fand ich dann eine Rothirschbeaobachtungsstation. Allerdings sind Rothirsche wohl dämmerungsaktiv, so dass die Schutzhütte voll war mit Rothirschbeobachtern in Flacktarn und sehr mächtigen Stativen, Ferngläsern und Kameras. Ich weiss nicht, ob es an mir und meinem Geruch lag, auf jeden Fall gab es keine Rothirsche an dem Abend.

Irgendwann war ich in der Hütte alleine, konnte mein Zeug auspacken und schlafen.

Kleine Überraschung am Morgen gegen 6:00, es dämmerte grade: der erste Naturfreund polterte in die Hütte.

Ok, ab aufs Rad, wach kurbeln.

Von Dreiborn ging es einen schönen Rumpelweg runter nach Einruhr. Da ich mir aber in den Kopf gesetzt hatte, die alte NS-Ordensburg Vogelsang zu dokumentieren, musste ich wohl oder übel einen Abstecher den Berg hoch machen. Ohne Frühstück, na toll. Oben angekommen wurde ich allerdings nicht enttäuscht und habe ein paar schöne Bilder von dieser wirklich beeindruckenden und bedrückenden Anlage machen können.

Von Vogelsang ging es weiter nach Wollseifen, einem kleinen Dorf, dass nach dem Krieg geräumt und mit Kulissenbauten erweitert wurde, in denen erst die britische Armee, später die Belgier Häuserkämpfe trainiert haben. Die Stimmung da ist ebenfalls sehr gespenstisch, mittlerweile ist das Dorf wieder frei zugänglich und mit Schautafeln und einem Dokumentationszentrum in einem der alten Gebäude wird die bewegende Geschichte gezeigt. Das war mir einen Abstecher wert.

Mittlerweile hatte ich dann aber doch mehr Hunger, als ein Riegel hergibt, also wieder runter, wieder zurück auf den Track und ab nach Einruhr, Kaffee und Früchstück warteten.

Nach einem kurzen Blick auf die Rurtalsperre ging es mit frisch aufgefüllten Flaschen und gestärkt wieder in die Wälder, es sollte nochmal steil und einsam werden, aber hey, dafür war ich ja hier.

Irgendwann erreichte ich den Hürtgenwald und wollte meinen zweiten Abstecher vom Track angehen. Hier fand 1944/45 die »Schlacht vom Hürtgenwald« statt, die Amerikaner versuchten, die Eifel zu durchqueren und sind auf erbitterten Widerstand der Wehrmacht gestoßen. Es gab sehr viele Tote auf beiden Seiten und im Wald sind immer noch Spuren der Kämpfe zu sehen. Auf meiner ersten Fahrt durch den Wald wusste ich absolut nicht, auf was für Boden ich mich da eigentlich bewege und hatte beschlossen, diesmal ein paar Spuren zu dokumentieren.

Dazu habe ich mir die Gedenkstätte für Robert Cahow ausgesucht, einem amerikanischen Solaten, dessen Überreste lange nach dem Krieg von Einheiten der Kampfmittelbeseitigung gefunden wurden. Der Fundort liegt nicht allzu weit vom Track entfernt, aber auch 4 Kilometer können sehr gemein sein, wenns steil bergauf geht. Es hat sich aber gelohnt, wie ich finde. All diese Extratouren kosten natürlich Zeit, aber so war es auch geplant, da ich ja eh außerhalb der Wertung fahre.

Ansonsten mag ich den Hürtgenwald zum Radfahren sehr gerne, er tut nicht ganz so weh wie die Eifel vorher, bietet aber richtig tolle und einige sehr lange Abfahrten, auf denen man einfach laufen lassen kann. Mit 50 km/h durch den Wald zu poltern, ist schon wirklich toll! Die Gegend da ist ziemlich einsam, man begegnet ab und zu Forstarbeitern, ein paar Radfahrer und Wanderer habe ich gesehen, ansonsten war ich alleine. So mag ich das.

Irgendwann hatte mich die Zivilation wieder und was soll ich sagen, der Wind war einmal fair und blies diesmal von hinten. Und zwar ordentlich. Ziemlich flott gings in Richtung Tagebaugebiete, RWE ist da allgegenwärtig, es stehen mehrere Kohlekraftwerke herum, überall gucken Tagebaubagger aus der Erde, man sieht den Wahnsinn, den der Mensch der Erde antut. Der Track führte durch mehrere geräumte Dörfer, die irgendwann abgebaggert werden sollen. Oder auch nicht. Leer sind sie aber schon mal. Es ist traurig und schlimm zu sehen, die Stimmung ist sehr bedrückend. Außerdem ging es am Hambacher Forst vorbei, auch da sind noch überall Spuren der Proteste gegen die Abholzung zu sehen. Ich habe lange Zeit dort verbracht und viele Fotos gemacht.

Ab dem Hambi wollte ich möglichst schnell nach Hause, meine Beine und mein Kopf konnten langsam nicht mehr … es zog sich zwar noch etwas hin, aber schliesslich kam ich nach 287km, 3784hm und 37:17 Gesamtzeit ziemlich erschöpft aber glücklich in Köln an.

Ich danke dem Orbit-Team für die tolle Idee und die Orga, besonders Dimi für den Track (ich habe dich zwischendrin verflucht oder bejubelt!) und ich hoffe, ihr mögt meine kleine Fotosafari.

🙂 Ganz großen Respekt außerdem an alle, die den Orbit in einem Rutsch durchfahren.

Für alle, die sich weiter informieren möchten, hier noch ein Link zu einem sehr interessanten Radiobeitrag zum Hürtgenwald:

https://www1.wdr.de/radio/wdr5/sendungen/zeitzeichen/huertgenwald-108.html


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Und noch ein paar Bilder mehr 😉

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