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Interview: André Kniepkamp – „Da habe ich mir nen ganz schönes Ei gelegt.“

Kennengelernt habe ich André über Facebook. Mir gefielen seine Kommentare, die Art zu beschreiben – dann las ich was von seinen Taschen am Rad. Ich musste erst mal googlen… Sein Rad gefiel mir ohnehin.

Den Tuscany Trail wollte er eigentlich mitfahren, bei mir ging es terminlich nicht. Man kam ins „Gespräch“ und später dann wurde per Telefon geschnackt. Nun fährt er die „Torino-Nice-Rally“ mit und wird uns anschließend auf seine eigene Art davon berichten. Lasst euch überraschen. Wir sind schon gespannt.

André Kniepkamp – Sympathisch, bunt, realistisch, auf der Suche nach neuen Zielen. Die alte Knipse immer zur Hand genauso wie Stift und Papier. Oldschool vor Trend.

KF-Ralph: André- stell dich doch mal kurz vor. Wie alt bist du, wo kommst du her, was treibst du so ausser Rad fahren?

André: Hi, ich heiße André Kniepkamp und ich wohne mit meiner Frau, zwei Kindern und Hund in Köln. Im Sommer werde ich 43, verdiene mein Geld mit Illustration, Grafik- und Motiondesign und fotografiere leidenschaftlich gern mit alten Filmkameras (Anm.d.R: lebeat) .Ich mache fast täglich Yoga, bin jahrelang geskatet, kam dann zum Longboarden und außerdem gehen wir Wellenreiten, wenn es die Zeit und die Reisekasse zulassen.

KF-Ralph: Das Rad – die langen Dinger – wie kam es dazu?

André: Ich fahre noch nicht so lange intensiv Fahrrad, es fing vor ein paar Jahren mit Fixies an, ich habe eine Zeit Bikepolo gespielt und habe mir dann ein schönes altes Gazelle Rennrad aufgebaut und fing langsam an, die Umgebung um Köln zu erkunden. Ich denke gern in kleinen Projekten und nach der Veröffentlichung meines Bildbandes mit Portraits von Longboardern wollte ich was neues starten.

Mir gefiel die Idee, zum Wellenreiten mit Fahrrad und Surfbrett auf dem Hänger zu fahren (inspiriert von James Bowden, der das mal mit Freunden gemacht hat) und das ganze mit Fotos und einem gezeichneten Reisetagebuch zu begleiten. Also habe ich mir ein paar Sponsoren gesucht, die mich mit Material unterstützt haben und bin mit meinem Tross im Sommer 2015 losgejuckelt. Von Köln nach Cornwall, so zumindest der Plan.

Leider hatte ich in Holland einen Unfall und bin nach nem Looping übern Lenker mit der Schulter eingeschlagen. Kein Surfen, kein Radfahren, ich hätte heulen können. Meine Familie hat aber schon in Cornwall auf mich gewartet, also habe ich meine Sachen in Holland bei richtig tollen Menschen in der Scheune unterstellen können und bin mit dem Zug weiter. Ich habe also irgendwie doch noch nen schönen Trip gehabt, nur eben anders als erwartet.

Für den nächsten Sommer hatte ich also noch eine Rechnung offen und wir haben überlegt, wohin es diesmal gehen könnte. Ich hatte keine Lust mehr auf nen Hänger und habe mir ein neues Rad aufgebaut, mit dem ich über die Alpen wollte. Diesmal war das Ziel Korsika, wieder ist meine Familie vorgefahren und wir wollten uns da treffen.

Ich bin also mit dem Rad das erste mal in den Alpen gewesen und von Augsburg übers Penser Joch zum Gardasee gefahren und habe von da den Zug und die Fähre nach Korsika genommen. Diesmal hat alles geklappt und ich habe stolz und heulend an der Pass-Station gestanden und hab sofort meine Frau angerufen. Das war mein erster großer Pass und das Gefühl war einfach überwältigend!

KF-Ralph: Was bedeutet es für dich auf dem Rad zu sein?

André: Ich lasse viel auf dem Rad, wenns in der Familie oder bei der Arbeit knirscht, reichen ein paar Kurbelumdrehungen und die Laune steigt. Ich finde es auch gut, ab und zu gefordert zu werden und mich abzukämpfen und auszutoben. Draußen sein, gerne im Wald und am Wasser, das ist für mich um so mehr wert, wenn ich da mit dem Rad hin bin. Wenn ich länger nicht aufs Rad komme, tun mir die alten Skateboardknie weh und ich kriege generell schlechte Laune …

Auch wenns ein Klischee ist, man macht beim Radfahren den Kopf aus und ist im Augenblick. Diese Steigung hier, diese Stimmung gerade jetzt im Wald, das Knirschen der Reifen auf dem Kies, genau das ist es. Meditation in action, wie man im Buddhismus sagt.

KF-Ralph: Was/Wer inspiriert dich? (Zum Thema Rad fahren)André: Ich habe jetzt keinen Superhelden oder Star, der mich besonders inspiriert. Es sind ehr die Leute um mich rum, die Pendler, die jeden Tag 70 Kilometer und mehr fahren oder mal eben am Wochenende nen Brevet mitnehmen oder 300 Kilometer um nen See in Schweden fahren. Aber eben auch die holländische Familie, die mir fröhlich radelnd in Tirol begegnet ist.

Sicher ist das toll, wenn man von Weltumradlern hört, aber die sind so weit weg für mich, da nehm ich mehr von meinem direkten Umfeld mit. Obwohl, auf Instagram folge ich Erik Nohlin, den find ich gut, weil der wahnsinnig Kilometer macht und auch vegan ist. Und Ultraromance, weil der einfach so herrlich drüber ist.

KF-Ralph: Was waren deine schönsten Momente auf dem Rad? Bist du lieber alleine oder in Gesellschaft unterwegs?

André: Ganz klar meine Alpenüberquerung und der Augenblick, als ich nach echt fiesem Kampf oben auf dem Penser Joch stand. Das war mein erster Pass und ich habe hart dafür gearbeitet. Die Belohnung war dann die 50 Kilometer Abfahrt nach Bozen. Es war schon sehr magisch, den Bergen so nah zu sein, ich kannte das nur aus dem Auto.

Ich fahre sowohl gern alleine als auch zu mehreren.

Wenn ich alleine bin, bin ich langsamer, fluche gerne, habe aber meinen Kopf für mich. Und zu mehreren fahr ich gerne, weil es mich mehr fordert, weil ich an meine Grenzen gehe, mich mitziehen lasse.

Gegenwind bitte in der Gruppe. 🙂 Erster hinten, ok?

KF-Ralph: Die Torino-Nice-Rally ist ein toller Track. 2017 bist du mit dabei. Wie kam es dazu? Was reizt dich an der Strecke?

André: Da habe ich mir nen ganz schönes Ei gelegt.

Mein Plan war ursprünglich, dass ich diesen Sommer das Tuscany Trail mitfahre, dann kam aber eine Einladung von meiner Cousine zur Hochzeit. Dann habe ich mit Joachim Rosendlund gesprochen und er meinte, ich könnte ja mit ihm zusammen die TNR fahren. Klar, gerne!

Jetzt freu ich mich und habe echt Schiss, die Zahlen sind doch sehr einschüchternd. Ich muss jetzt mal langsam hier die gemeinen Strecken in der Eifel raussuchen und Höhenmeter fahren, damit ich nicht komplett auf der Strecke bleibe. Aber wir wollen das ganze Ding mit viel Zeit fahren, viel fotografieren und die Landschaft genießen.

Ich finde außerdem super, mit so wenig Gepäck wie möglich auszukommen.

KF-Ralph: Wenn du einen Blick auf die deutsche „Szene“ wirfst. Wie siehst du das Bikepacking / Self-supported fahren und die „privat organisierten Fahrten im Selbstversorgermodus“? Wäre es besser eine offizielle Szene zu haben wie z.B. in den USA oder Italien?

André: Ich kenne die Szene kaum und lerne sie grad erst kennen. Da ich kein Freund von Vereinen oder so bin, stehe ich da einer offiziellen Organisation eher skeptisch gegenüber. Schön finde ich, wenn einzelne Leute tolle Veranstaltungen wie den Candy B Graveller oder das AWOL Unmeeting organisieren.

KF-Ralph: Welches Rad fährst du (TNR2017)? Erzähl uns was zu deinem Setup und Equipment.

André: Ich fahre das Surly Cross Check mit ner SRAM Apex und einer schönen Kletterübersetzung (2×10, vorn 44/26 und hinten 11-36), Nabendynamo und WTB Nano in 700×40. Ich werde eher mit klassischeren Taschen fahren, habe vorne nen Pizzarack mit ner Randonneurtasche von Parsleybags, nen kleinen Fueltank und nen Nüsschenbeutel von Apidura und hinten eine Carradice Satteltasche mit nem Bagman zur Unterstützung.

Ich mag die aktuellen Satteltaschen nicht so und fahre lieber mit meinem oldschooligen Setup (trotz extra Gewicht).

In die Taschen kommt dann leichtes Campingzeug, Schlafsack, Bivy, Luftmatratze. Nen paar Klamotten, insgesamt alles möglichst reduziert. Wahrscheinlich werd ich auf das komplette Kochzeug verzichten, obwohl ich da noch nicht 100% sicher bin. Son Kaffee morgens ist schon was wert …

Was auf keinen Fall fehlen wird, ist nen bisschen Werkzeug, Powerbank, Navi, mein Telefon und meine geliebte alte Kamera samt Filmen.

KF-Ralph: Fährst du einfach drauf los oder kurbelst du nach Plan?

André: Ich halte mich einerseits an Joachim, andererseits fahre ich einfach so, wie ich kann. Eher langsam als schnell.

KF-Ralph: Hast du Musik im Ohr bei längeren Fahrten (wenn ja welche ? – Musiktipp?) oder fährst du lieber ohne?

André: Bis jetzt ohne Musik. Ich habe beim Skaten aber auch erst spät die Vorteile vom Kopfhörer im Ohr entdeckt, wer weiß …

KF-Ralph: Wie fühlst du dich als Radfahrer im Auto-Deutschland? Gleichberechtigt? Tendenz?

André: Ich versuche, nach dem Motto »Leben und leben lassen« zu fahren, es wird einem aber nicht leicht gemacht. Entweder fällt es mir nur mehr auf, oder die Autofahrer fahren immer aggressiver und dreister.

Die Fahrradpolitik in Köln ist ne ziemliche Verarschung, aber die Critical Mass und andere Veranstaltungen sorgen hoffentlich für ein Umdenken. Aber bei den Toten, die dieses Jahr schon zu beklagen sind, ist es noch ein weiter Weg …

KF-Ralph: Was müsste man für das Fahrrad aus deiner Sicht noch verbessern/erfinden?

André: Ich habe neulich eine Kaffeemühle an einem Rad gesehen, die während der Fahrt Kaffee mahlt, fantastisch, mehr davon!!

KF-Ralph: Was wolltest du der (Fahrrad)Welt schon immer mal sagen?

André: Was ich mir selber auch immer wieder mal sagen muss: »Fahr einfach!«

 

Hier gibt´s noch den Link zur Packliste von André:

Packlistgame for @torinonicerally! From top left clockwise: – randobag – my old saddlebag – bivy – inflatable matress – inflatable pillow – sleeping bag – helmet – buff – arm warmers – leg warmers – light cargo shorts – 2 pairs of socks – merino boxershorts – nanopuff jacket, rainjacket – 2 short jerseys – 2 bibs – shirt for dinner 😊 – MTB-shoes – flipflops – toolroll – oil – powerbank – garmin – headlight, rear light, cables, batteries – cable lock – drybags – foodpouch – first aid kit – minimalist cookset – toilettries – sketchbook – analog camera with films … I'm still reducing and rethinking everything but this is my list so far. Some things like my gloves or my merino longsleeve are still missing.

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Mehr zu André findet ihr hier

Website:    http://lebeat.de/

Facebook: https://www.facebook.com/lebeatcologne

Instagram: https://www.instagram.com/lebeat_goeslikethis

Vimeo: https://vimeo.com/lebeat

André:
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