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Interview: Robert Krügel – guter Schwarztee, der zieht Dir morgens die Falten aus dem Sack


Im anderen Fall wäre ich mitten im abgelegenen Viehpfad zwischen Steinen einfach im Regen liegen geblieben, da war kein Mensch und der nächste Ort noch lange weg, das hätte lange gedauert ehe mich da jemand gefunden hätte. Sowas bleibt Dir im Kopf, macht dich vorsichtiger und lässt Dich lernen.

Das erste was ich von Robert sah, waren seine Bilder. Sie zogen mich schnell in den Bann. Die Farben, die eingefangenen Momente. Bei mtb-news las ich immer wieder Berichte über seine Abenteuer auf dem Rad. Irgendwie lernten wir uns dann online immer besser kennen. Schließlich besuchte ich Robert in Dresden und wir führten die MTB´s in die Dresdener Heide aus, schnackten bei ihm in der Küche und philosophierten übers Radfahren. Ich will gar nicht viele Worte über ihn verlieren und ihn weiter beschreiben/vorstellen. Lest dieses Interview 😉 Er ist einfach ein verdammt netter, authentischer und sehr sympathischer Kerl mit dem Herz am richtigen Fleck. Und er fährt Rad!


Text: Ralph und Robert KrügelBilder: Robert Krügel, Martin Dinse, Dario Codato (und HIER findet ihr den Robert auch ;))

Robert pic-by Robert

KF-Ralph: Hey Robert, stell dich doch einmal kurz vor. Wer bist du, wo kommst du her und wo machst du mit dem Rad am liebsten die Gegend unsicher?

Robert: Hallo, mein Name ist Robert Krügel, bin 36 Jahre jung und wohne in Dresden. Aufgewachsen bin ich an der Ostsee und zur Wendezeit nach Sachsen gekommen. In Dresden arbeite ich seit einigen Jahren als Sozialpädagoge in den unterschiedlichsten Bereichen, aktuell in der Betreuung von minderjährigen Flüchtlingsjungen in einer gemeinschaftlichen Wohnform. Auf dem Fahrrad kann man mich im Alltag meist in den Wäldern der Dresdner Umgebung antreffen, am Wochenende dann in der sächsischen und böhmischen Schweiz bis hin zu Urlaubsfahrten nach Polen, Italien und in verschiedene Gebirge.

Robert pic-by Robert

KF-Ralph: Du und das Fahrrad. Wie kamt ihr zusammen? Was bedeutet es für dich auf dem Rad zu sein?

Robert: Ein wichtiger Moment war definitiv mein erstes BMX Fahrrad in der ersten Klasse. Das war etwas ganz Besonderes, ein Mifa BMX 1001 Crossrad. Das Teil war der Knaller und damit konnte ich zum ersten Mal meinen Horizont erweitern und erfahren. Ich denke, dass meine Liebe zum Geländeradsport auch mit diesem Rad stark verbunden ist. Dafür bin ich meiner Familie sehr dankbar, dass sie mir damals dieses Geschenk machten. Danach kamen unzählige Fahrräder ins Haus, einige gingen wieder oder wurden gestohlen, die meisten sind aber noch in meinem Besitz und so sehr ein Teil von mir, dass es sehr schwer fällt welche abzugeben.

Ich hatte Glück und konnte bisher in viele Spielarten des Radsports reinschnuppern. Eine ganze Weile habe ich sehr gerne das Bahnradfahren und die ganzen Alleycatrennen ausgekostet, das war ne gute & wilde Zeit mit echt tollen Menschen. Das Rennrad ist bei mir eher so eine Trainingssache, so richtig Leidenschaft steckt im Mountainbike, in technischen Abfahrten und langen, herausfordernden Bikepackingtouren in unbekannten Gebieten. Auf dem Rad bin ich frei und fokussiert, da kann ich uneingeschränkt agieren, kann Gedanken verarbeiten, kann mich total auspowern, ich kann mich total in Trance fahren auf Langstrecken, ich kann in kurzer Zeit ganz viel Neues entdecken an Landschaft und Leuten. Vor Allem gelingt es mir,  mit dem Rad, ganz viel Neues über mich zu lernen. Egal ob auf dem Enduro MTB in schwierigen schnellen Trailstücken oder auf dem Gravelbike auf Mehrtagesrennen, jedesmal gibt es da Momente, in denen ich an meine Wohlfühlgrenzen stoße. Um weiter zu kommen muss ich meine Ängste kennen und mental so stark mit mir in Verbindung sein, dass ich dann körperlich die Herausforderungen meistere.

Das fasziniert mich ungemein, das hilft mir total, um mich persönlich zu entwickeln. Ohne das Fahrrad und die schwierigen Situationen unterwegs wäre ich nicht die Person, welche ich heute bin. Dafür bin ich extrem dankbar und genau das treibt mich auch immer wieder rauf auf das Rad zu neuen Touren.

TNR pic-by Robert

KF-Ralph: Wer dich 2018 etwas verfolgt hat, fand dich bei der TNR, Veneto Trail, ACT 5, im Riesengebirge und auch sonst sehr viel auf dem Rad. Was hat sich bei dir besonders ins Gedächtnis eingebrannt und warum?

Robert: Schwere Frage. Das ganze Jahr war sehr gut und alle Touren hatten etwas ganz Besonderes für sich stehend. Jedes Event und jede Tour sind einzeln speziell und nicht nochmal so austauschbar. Ich habe von jeder Unternehmung für Immer ganz besondere Momente in meinem Gedächtnis mitgebracht. Sei es die total schöne Zeit auf dem Tuscany Trail mit neuen italienischen Bekanntschaften und spontanen Einladungen von toskanischen Bauern auf ihrem Hof, mit einem Abend voller8 Wein, Pasta, Schinken und einer kurzen Nacht im Schlafsack zwischen Katzen, Heu und Gravelbikes. Oder die wahnsinnig schöne Strecke der Torino-Nice-Rally, mit sehr langen sportlichen Tagen im Sattel, atemberaubenden Sonnenaufgängen während man endlose Schotterpässe hochkurbelt, italienische Gastfreundschaft ohne Gleichen und eine total relaxte Radfreundschaft mit Davide Nicolino unterwegs auf dem Track. Diese Tage in den Seealpen waren schon etwas ganz Besonderes für mich, das war ganz großes Radfahrkino von Allen Seiten!


Isergebirge-Riesengebirge im Herbst mit einem guten Freund und kalte Wiesennächte unter sternenklarem Himmel, die gute böhmische Bahnhofskneipe und verblockte Gebirgsabfahrten mit dem starren Mountainbike, so etwas ist dann einfach die Definition von „Draußen sein“ für mich – mit dem bepackten MTB ist das perfekt um zu Entdecken. Aber auch schwierige Momente und ängstliche Rennen haben sich tief eingebrannt.

Du sprachst das Across the 5 Rennen an, da kam ich oft an meine Grenzen, körperlich wie mental. Die Fahrt durch Holland/Belgien, Luxemburg, Frankreich…usw war sehr hart und lang. Es gab kaum Anlaufpunkte in Ortschaften zur Versorgung, man fuhr lange Strecken immer im Gelände, sehr lange Tage im Sattel, ich hatte große Knieschmerzen und fuhr lange allein und hatte zu tun, dass ich nachts motiviert bleibe. Ich musste abbrechen wegen dem Knie. Das hat mir Erfahrung gebracht, und Demut mitgegeben. Und selbst dort, habe ich noch neue Leute kennengelernt welche mich sehr fasziniert haben in ihrer Stärke und Zielgerichtetheit.

Ähnlich erging es mir beim Veneto Trail Event. Da war alles extrem komprimiert, wunderschöne Natur, schnelles Fahren, tolle Leute, Wetterprobleme und zu guter Letzt ein blöder Sturz abseits im Gelände, welcher für mich auch ganz schlecht ausgehen hätte können. Ich hatte Mega Glück, nur das Knie verletzt, und konnte so vom Berg noch runter kommen. Im anderen Fall wäre ich mitten im abgelegenen Viehpfad zwischen Steinen einfach im Regen liegen geblieben, da war kein Mensch und der nächste Ort noch lange weg, das hätte lange gedauert ehe mich da jemand gefunden hätte. Sowas bleibt Dir im Kopf, macht dich vorsichtiger und lässt Dich lernen. Da bin ich echt froh drüber im Nachhinein.

KF-Ralph: Was treibt dich an? Bei all den schönen Eindrücken die du sammelst, es kostet ja immer auch Schweiß und Kraft. Bereitest du dich gezielt auf (manche) Events vor?

Robert: Ich fahre einfach Fahrrad wenn ich die Lust danach verspüre. Ich verfolge keinen Plan und habe auch kein Traingsprogram. Im Job bin ich mitunter viel auf den Beinen, zu Hause benutze ich seit einem Jahr auch einen Rollentrainer für die Winterzeit und das hilft schonmal viel. Ich höre einfach auf meinen Körper, wenn der Lust hat mal den halben Tag im Bett zu liegen und zu Lesen, dann mache ich das. Wenn der aber Lust hat nachts um 24 Uhr 300km nach Wroclaw zu fahren, weil meine Oma da herkommt und ich die Stadt noch nicht kenne, dann mache ich eben das – kam Alles schon vor 😉

Ich brauche die innere Lust und dieses „Bock Gefühl“, dann läuft das meist von Allein. Generell mag ich es aber mich zu bewegen, draußen zu sein, auch mal an meine körperlichen Grenzen zu gehen bis es schmerzt, um dann dort zu bleiben, und auszuhalten. Neben dem Radsport gehe ich noch regelmäig bouldern, das macht mir sehr viel Spass und hilft die Körperspannung zu schulen, welche Dir auch auf dem Rad sehr helfen kann. Früher beim Singlespeed Mountainbiken haben wir immer davon gesprochen „uns beim Fahren selber in die Fresse zu hauen“ – ist n derber Vergleich, aber so in etwa passt das eben manchmal. Ich mag es seit einiger Zeit mich gesünder zu ernähren, merke dass ich mich besser fühle danach und das bringt wieder neue Motivation für das Fahrrad fahren. Der Sport gibt mir einfach die Entspannung und den Austausch mit mir Selber den ich brauche.

Auf längere Events bereite ich mich nur bedingt vor. Ich studiere kaum die Strecke oder die Gegend. Da will ich lieber vor Ort mit den Dingen hantieren die auf mich zukommen. Meist schaue ich grob über die KM und Höhenmeterzahlen und teile mir die Strecke in grobe Abschnitte auf, bei denen ich denke, diese in jeweils einem Tagesritt zu schaffen. Ich lege mir selber einen groben Zeitplan zurecht, wann ich im Ziel sein will, das hilft mir so in etwas den Überblick und Ansporn zu behalten. Meine Ausrüstung bereite ich normal vor und schmeiße meist alles ins Auto und packe dann vor Ort, einen Tag vor Start, alles ans Rad. Ich war noch nie sehr diszipliniert in Vorbereitungen und das spiegelt sich hier auch wieder, meist passieren dann unterwegs kleine Probleme, welche aber bisher immer spontan und mit Hilfe gut zu lösen waren, da bedanke ich mich auch bei Allen Menschen die mir bisher „on the road“ geholfen haben 😉

Und Musik unterwegs treibt mich an –  wenn gar nix mehr geht – n guter Song aus dem MP3 Player hat mich schon so manch einen langen Berganstieg überleben lassen. Um ganz ehrlich zu sein, auch Ich habe dieses „Flatterbandgefühl“ im Kopf wenn ich am Start eines Rennens oder Events stehe. Selbst wenn das Rennen über 4-5 Tage geht, habe ich den inneren Ansporn für mich eine gute Fahrleistung abzuliefern.

Robert pic-by Martin Dinse


KF-Ralph: Jeder hat ja bei seinem Setup das ein oder andere Stück, das immer mit dabei ist. Was ist dein „must have“ auf deinen Touren?

Robert: Eine ordentliche Sitzcreme für lange Tage im Sattel 😉
mmmhhhh, auf jeden Fall freue ich mich immer auf eine Menge Schokolade/Mandeleis am Stiel unterwegs, da geht nix drüber! 1-2 Beutel vom guten englischen Taylors Yorkshire Schwarztee – der zieht Dir morgens die Falten aus dem Sack – das muss immer mit. Kamera. Regenklamotten und warme Socken.

Robert pic-by Dario Codato

KF-Ralph: Du bist ja mit verschiedenen Rädern unterwegs. Gibt es für dich ein Rad für (fast) alles? Was macht für dich ein gutes Bikepacking Rad aus?

Robert: Erneut eine schwere Frage 😉
Das perfekte Rad gibt es meiner Meinung nach nicht. Je nach Geländeart, ist eben das Rad super, mit dem ich zu dem Zeitpunkt auch unterwegs bin. Grundlegend ist Bikepacking für mich aber schon das Fahren im Gelände oder Mixed Terrain. Reines Asphaltgefahre mit Ausrüstung würde ich eher sportlicher definieren, Extrem Marathon oder ultra Distance Races usw. Um zu Entdecken und intensiv zu Erleben wäre für mich persönlich immer ein Mountainbike und ein Monstercrosser/Gravelbike die erste Wahl.

Mein Fatbikerahmen welchen ich für’s Bikepacking auf 29 * 3.0″ Laufräder gestellt habe kommt da schon verdammt nah rann an diese All-for-One Lösung. Damit bin ich im Gelände immer sicher und solide unterwegs trotz der Zusatztaschen, auf langen Ziehstücken laufen die 29″ CC Reifen schnell genug, einzig die aufrechte Sitzposition und der Flatbar limitieren da etwas die Geschwindigkeit, dafür habe ich bergab auf Trails umso mehr Spass  -darum geht’S im Endeffekt eben auch.

Als Zweites Rad was ich sehr lieben gelernt habe, ist mein Mason Bokeh Gravelbike zu nennen. Diese „neue“ Radgattung vereint für mich sehr gut die Schnelligkeit eines Rennrades und den sicheren Komfort eines Mountainbike Hardtails. Mit dem Mason habe ich mich auf Strecken wie der Torino-Nice-Rally extrem wohl und sicher gefühlt. Es passt mir einfach gut und liegt bergab schön satt und stabil. Auf geraden Schotterpisten ist das Gravelbike einfach unschlagbar schnell und dämpfend.

Ein gutes Bikepacking Rad sollte eine eher entspanntere Geometrie haben und man sitzt eher aufrechter. Es kann ruhig auch auf das Gewicht geachtet werden, denn mit einem steifen und leichten Rad fahre ich einfach viel lieber Berge hinauf. Es muss trotzdem einiges an Inpacts aushalten und ne gute Mischung aus vernünftigen und sportlichen Anbauteilen haben. Natürlich ist es toll, wenn genug Platz und Anbaumöglichkeiten für die Taschen vorhanden ist, aber da kann man sich zur Not immer mit n Packriemen und Kabelbindern aushelfen 🙂

Robert pic-by Robert

KF-Ralph: Wer deine Berichte liest, kommt an deinen Bildern natürlich nicht vorbei. Machst du deine Bilder spontan nach Gefühl oder suchst du während der Fahrt auch nach gezielt guten Spots? Ist es leicht für dich den Kompromiss zwischen fahren und fotografieren zu finden?

Robert: Ich bin eher so der spontane „aus dem Bauch heraus“ Typ. Fast Alle meiner Fotos sind Zufallsituationen, bzw. Spontane Fotos von dem Moment vor Ort. Ich plane nichts oder suche auch nicht nach gezielten Spots. Ich versuche immer noch mein Auge und meine Aufmerksamkeit zu schulen, um schnell gute Motive in den jeweiligen Situationen zu sehen.

Einen Kompromiss zu Finden ist nicht immer einfach, da muss für mich vorher klar sein, was mein Ziel bei der Tour ist. Wenn ich weiß, dass es ein gutes, schnelles Rennen werden kann, in dem ich mich wohl fühle und auch Lust habe etwas zu erreichen, dann muss ich mich eher zwingen die große Kamera zu Hause zu lassen und dann konzentriere ich mich nur auf das Fahren.

Andererseits, bei klaren Genießerfahrten und Bikepackingtouren mit mehreren Leuten oder Urlaubsfahrten, weiß ich, dass ich mir die Zeit und die Möglichkeit des Fotografierens nehmen mag und dann ist die Kamera immer dabei. Natürlich ist es manchmal auf den schnellen Touren sehr Schade um gute Motive und dort einfach vorbeizurauschen, aber ich sauge quasi jeden Eindruck vom Streckenrand auf und habe dadurch auch mein volles Erlebnis.

Strecke pic-by Robert


KF-Ralph: Mit was machst du deine Bilder? Smartphone, Systemkamera, Analog? Was ist dein Favorit?

Robert: Die meisten meiner Bilder von unterwegs sind bisher mit einer Fujifilm XT-20 und meist mit dem 35mm/1.4 Festbrennobjektiv von Fuji entstanden. Ich mag die Brennweite für unterwegs auf dem Rad sehr, die Kamera habe ich meist über der Schulter auf dem Rücken hängen. Demnächst kommt der Nachfolger mit auf Tour, etwas größer und schwerer, da muss ich mal schauen wie das klappt.

Smartphonebilder gibt es meist nur für schnelle StorySchnappschüsse, mein altes LG G3 ist da einfach zu schlecht 🙂  Natürlich ziehe ich immer die Systemkamera und ein gutes Objektiv vor, in manchen Situationen aber kann das Smartphone und eine einfache Bearbeitungsapp schon viel gute Stimmung erzeugen, das überrascht mich bei der Reaktion der Betrachter immer wieder. Auch wenn die Smartphonekameras aktuell sehr gut sind, das Fotografieren mit einer echten Sucherkamera kann es nicht ersetzen, das ist ein ganz anderer Grundgedanke bei der Wahl des Ausschnittes / Motiv.

Außerdem finde ich meine Fuji einfach verdammt sexy 😉

Bikepacking pic-by Robert


KF-Ralph: Du warst bereits in vielen Ländern und Regionen unterwegs. Sind Bikepacker alle vom gleichen Schlag oder siehst du Unterschiede?

Robert: schwer zu sagen. In Deutschland sehe ich noch eine recht „kleine“ Szene, welche auch eher ruhig agiert und die Bikepackingtouren sich hier etwas ähneln vom Stil her. Deutschland hat auch keine so offensichtliche „Bikepacking Race“ Abteilung. Es gibt in Deutschland einige gute und engagierte Menschen, welche immer wieder auf Events auftauchen oder selber welche veranstalten, das ist sehr schön! Dinge wie der Candy-B-Graveller, Hanse-Gravel, Trans-Ost-Challenge (mit Orga in Dresden), Taunus-Bikepacker, Transcimbrica mit den Hamburger Dudes usw, usf, das sind schon alles echt coole Veranstaltungen.

In anderen europäischen Ländern, hatte ich den Eindruck, dass es viel internationaler vernetzt ist und auch rege Austausch stattfindet. Die Events existieren meist schon länger, sind größer/länger, werden von viel mehr internationalen Leuten auch besucht. Aber selbst da ist es immer wieder eine „kleine Familie“ an den selben Leuten. Als ich am Ende der Torino-Nice-Rally in Nizza in den Zug einstieg, da sprach mich ein junger Mann auf seinem Fixie Stadtrad an, ob ich gerade aus den Bergen vom Event komme. Er kannte die TNR und fragte wie es mir ergangen sei. Kurze Zeit später sah er, den Sticker vom ACT5 Rennen in Belgien an meinem Helm und erzählte mir, dass er ein Jahr zuvor auch dort mitgefahren sei und den Veranstalter sehr gut kenne. Da ging das Gespräch dann, im italienischen Zug, über französische Trails, schottische Bikepacker, holländische Radkuriere und Tricks zur Ausrüstungsoptimierung. Das war toll, und begegnete mir im Ausland viel mehr, als in Deutschland z.B. Die Italiener haben eine riesige Bikepackingszene, massig Events über’s Jahr verteilt, das ist großartig und richtig gut organisiert, dort gibt es auch enorm viele fitte Leute, die Bikepacking auch als Rennsport nehmen wenn sie Lust haben.

Im Osten wie Tschechien und Polen sind die Events meist mit mehr Trails und Abenteuer bestückt, die FahrerInnen dort, machen sich auch nicht so viel aus fancy Material oder teuren Rädern. Die Leute wirkten oft enorm kraftvoll, bodenständig und erfahren. Vor der Klarheit und Einfachheit hatte ich oft großen Respekt. Es gibt also viele regionale Unterschiede, auch noch zwischen Europa und den amerikanischen Kontinenten z.B.. Aber der Grundgedanke und der Schlag Mensch, der sich für mehrere Tage mit seinem Rad in der Natur bewegt, der scheint überall gleich. Es ist die Lust am Entdecken und dem Kontakt zur Natur.

Robert pic-by Dario Codato


KF-Ralph: Gibt es etwas, dass dich reizt – wo du unbedingt mal fahren möchtest? Hast du schon Pläne für 2019?

Robert: Gute Frage, da gibt es eine ganze Menge, um ehrlich zu sein, fast schon zu viel, und viel zu wenig freie Zeit 🙂  Aber es gibt so Klassiker, die ich gerne fahren würde – wie zum Beispiel das Scotland Highland Trail 550 Rennen. Zum ACT 5 habe ich eine Nacht mit dem Veranstalter und seinem Kumpel an einer Freilandkirche übernachtet, das waren zwei sehr lustige und coole Menschen, ich glaube die Gegend dort ist wunderschön und die Trails würden mir sehr liegen.


Den Osten um Aserbaidschan, Usbekistan und klar auch Kirgisistan finde ich reizvoll, solch große Events wie das Silk Road Mountain Race üben eine enorme Faszination aus. Mit dem leichten Gravelbike wären es so die südlichen spanischen Hochebenen, oder solch Rennen wie die TransOst oder die 1000Miles.cz. Aber Eines nach dem Anderen. Dieses Jahr habe ich mir die 1000km der ItalyDivide als Höhepunkt gesetzt, da ich Italien echt gerne mag und Teile der Strecke mir bekannt sind, ich hoffe, dass ich da gut durchfahren kann. Der Taunus Bikepacker steht noch auf der Liste, sowie die Bohemia Divide, gerade auf die Durchquerung von Tschechien freue ich mich, da ich eh oft dort unterwegs bin. Ansonsten lass ich mich gerne vom neuen Jahr überraschen und freue mich einfach wenn mein Körper gesund ist und ich Zeit habe für das Draußen sein.

Robert pic-by Robert

KF-Ralph: Wenn jemand auch mal Bikepacking ausprobieren möchte und noch nicht viel Erfahrung mitbringt – hast du 3 Tipps für den Einstieg?

Robert: Entspannt angehen lassen. Eher moderate Touren in der eigenen Umgebung heraus suchen. Viel Schönes ist meist vor der Haustür. Ein paar gute Freunde einladen mit auf die Tour zu kommen, dann ist es Abends am Lagerplatz gleich viel lustiger und man kann das Bier auf mehrere Räder verteilen 😉 

Nehmt nicht zu viel Dinge auf dem Rad mit – less is more! Ein guter Schlafsack und eine gemütliche Isomatte sind aber unabdingbar für ein erstes positives Erlebnis. Schaut vorher auf einer Karte wo ihr ungefähr hin wollt, sucht ob es da eine Schutzhütte gibt oder etwas schönes wie ein Seeufer. Schlaft draußen! Startet auch mal zum Sonnenaufgang und erlebt wie die Tiere alleine unterwegs sind im Wald, ohne Menschen.

Fahrt bis nach dem Sonnenuntergang und erlebt eine Nachtfahrt im Wald nur bei Lampenschein, das ist sehr faszinierend.

Seid vor Allem im Kopf vorbereitet auf alle Situationen welche eintreten können. Macht euch vorher schon klar, was ihr tun werdet wenn eure Kette reißt, wenn ihr euch verletzt, wenn ihr euch verirrt, wenn ihr Angst habt, wie ihr mit Hunger oder Schlafdefizit umgehen wollt, was ihr macht wenn ihr ein Motivationstief habt usw.. Mentale und materielle Vorbereitung sind sehr wichtig. Solange ihr regelmäßig Sport macht, sollte das Körperliche passen.

Bikepacking pic-by Robert

KF-Ralph: Lass es raus – was wolltest du der (Fahrrad)Welt schon immer mal sagen….

Robert: Weniger Modellbau – mehr vernünftige Komponenten! Bitte macht die Preise für Fahrradteile niedriger 😉  Es muss nicht jedes Jahr das Rad neu erfunden werden, die Bikeindustrie spricht immer von noch mehr fancy Stuff, noch mehr Stiffness, noch mehr Aero, noch leichter und schneller usw. usf. Meist ist es auch nur „alter Wein in neuen Schläuchen“.

Ein wenig mehr auf dem Teppich bleiben wäre schön. Es ist auch „nur“ Rad fahren. Manchmal bekommt man den Eindruck, als ob es nicht mehr möglich ist, unter einer Ausgabe von 5000€ für Bike und Klamotten, sinnvoll Fahrrad fahren zu können. Das ist heftig, Preise und Status haben enorm an Zuwachs gewonnen die letzten Jahre, das sehe ich mit gemischten Gefühlen.

Es ist enorm viel Neues und Gutes auf den Markt gekommen, die Vielfalt ist großartig, ich kann als Endkunde mir genau das Passende heraus suchen und glücklich sein. Gleichzeitig übertrumpfen sich immer Alle mit Events, Leistungen, Bilern, neuen Rädern, tollen Erlebnissen usw usf. Durch social Media Vernetzung entsteht ein großer Druck und manchmal auch ein Zerrbild der Realität, finde Ich. Auf der anderen Seite sind social media Netzwerke ein tolles Instrument um neuen Leute kennen zu lernen und neuen Input für die eigenen Touren zu bekommen – ich habe schon viel Gutes durch Instagram & Co erfahren dürfen, das fetzt schon, auch wenn ich meine eigene Nutzungsart immer wieder hinterfragen muss.

Seid glücklich und zufrieden. Unterstützt euch und geht draußen sorgsam mit Natur und Tier um.

Robert pic-by Robert


KF-Ralph: Robert, ich danke dir, dass du dir Zeit genommen hast für dieses Interview. Viel Rückenwind, Sonne und alles Gute. Ride on…

Robert: Ich danke Dir Ralph!
Ebenso Alles Gute auf deinen Touren und für deinen Blog.

Snowtime pic-by Robert
Roberts Maison pic-by Robert
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