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Interview: Rene´Bonn – „Das ist wie Meditation für mich“

Heute möchten wir Euch einen Fahrer vorstellen, der die langen Strecken liebt. Höhenmeter sind schon auch ein Muss. Er quält sich gerne hoch hinaus, wenn das drumherum stimmt. Bodenständiger Grammfeilscher, mit starken Beinen, eisernem Willen, hilfsbereit, offen, nett, direkt. So würden wir René Bonn kurz und knapp beschreiben. Im folgenden Interview könnt ihr den sympathischen Kerl noch näher kennen lernen.

 


KF-RalphRené – stell dich doch mal kurz vor. Wie alt bist du, wo kommst du her, was treibst du so außer Rad fahren?

René: 26 Jahre jung, wohnhaft im Taunus zwischen Koblenz und Wiesbaden, direkt bei der Loreley – erstklassiges Radrevier mit vielen ruhigen Straßen, knackigen Anstiegen und schönen Singletrails. Zur Zeit mache ich gerade meinen Master in Landwirtschaft und Umwelt und wenn ich gerade nicht Rad fahre, schlafe oder esse gibt es meistens Arbeit auf unserem Hof.

Neben Radfahren mag ich auch eine Reihe von anderen Sportarten ganz gern: Laufen, Skyrunning, Bergsteigen, Klettersteige, Yoga, Schwimmen, Kraftsport. Am liebsten draußen und Hauptsache kein Ballsport. Bei Fußball tauge ich nur als dritter Torpfosten.

KF-Ralph: Ich hab dich auf der Transcimbrica kennengelernt. Okay – am Start kurz gesehen und dann warst du weg, dafür sah ich immer nur Bilder von dir in der Messenger-Gruppe. Im Ziel der erste mit dicken Grinsen. Das Rad – die langen Dinger – wie kam es dazu?

René: Eigentlich komme ich vom Laufen. Nach meinem ersten Marathon vor 8 Jahren hatte ich Knieprobleme, konnte 2 Jahre keinen Sport machen und dachte nicht, dass ich jemals wieder auch nur 10 km laufen könnte. Dann bin ich zu einem anderen Sportarzt, der mir geraten hat mit Radfahren wieder anzufangen. So bin ich dann zum Triathlon und letztes Jahr zum Langstreckenradfahren gekommen. Je länger die Strecke, desto größer der Spaß – das fand ich schon immer so. Inzwischen kann ich auch wieder Langstrecken laufen, aber gerade bin ich am liebsten auf dem Rad unterwegs.

KF-Ralph: Was bedeutet es für dich auf dem Rad zu sein?

René: Radfahren ist Freiheit. Im Alltag denke ich zu viel über alles Mögliche nach, kann oft Nächte lang nicht schlafen weil mein Gehirn nicht abschaltet. Beim Radfahren und auch beim Laufen bin ich entspannt, da ist nichts wichtig außer der nächsten Pedalumdrehung oder dem nächsten Schritt. Das ist wie Meditation für mich.

Außerdem erlebt man beim Radfahren die Landschaft sehr intensiv und kann trotzdem unglaubliche Strecken zurücklegen. Das begeistert mich jedes Mal aufs neue.

KF-Ralph: Was/Wer inspiriert dich? (Zum Thema Rad fahren)

René: Juliana Buhring und Jesse Carlsson, weil ich nachdem ich von Juliana’s Weltumrundung und Jesse’s TransAm gelesen hatte vom Ultraradradfahren angefixt war. Mike Hall, der unserem Sport unglaublich viel gegeben hat und auch abseits des Radsports ein absolut toller Mensch war.

KF-Ralph: Was waren deine schönsten Momente auf dem Rad? Bist du lieber alleine oder in Gesellschaft unterwegs?

René: Letztes Jahr am Tag vor Weihnachten auf dem Gipfel des Sveti Jure in Kroatien. Sonnenschein und 20°C, nachdem ich den ganzen Tag davor bei -10°C durch die Bosnien gefahren bin. Der Blick über die Adria und das Biokovo-Gebirge ist malerisch, die Straße nach oben ein echtes Abenteuer. Außer mir und meinem Rad war weit und breit kein Mensch, ich bin sehr gern für mich allein unterwegs.

KF-Ralph: Dieses Jahr die Transcimbrica im März, jetzt im Juni die Navad 1000 von der du uns berichten wirst und im Anschluß das TCR 2017. Dann fährst du ja noch was für dich zur Vorbereitung… Ganz schön lang im Sattel. Was hast du dieses Jahr noch alles geplant? Oder bist du dann nur noch für dich unterwegs?

René: Vielleicht wollte ich zwischen Navad und TCR noch Belchen Satt fahren, das reizt mich doch sehr nachdem ich im Mai wegen Achillesproblemen passen musste. Nach dem TCR will ich noch von Griechenland mit dem Rad zurück fahren und dabei die Alpen längs und die Pyrenäen von Süd nach Nord mitnehmen – allerdings im Radreise- und nicht im Rennmodus.

Nächstes Jahr werde ich dann wohl wieder mehr Laufen und weniger Rad fahren. Die Ronda dels Cims schwebt mir Kopf rum, seit ich vor zwei Jahren den Andorra Ultra Mític gelaufen bin. Außerdem hätte ich große Lust auf das Dragon’s Back Race.

KF-Ralph: Im Vergleich zu z.Bsp. den USA und Italien sind wir hier noch in den Kinderschuhen. Dafür sind bei uns weniger „Industrie und Marken“ am Start die die Szene beeinflussen. Wie siehst du die UltraCycling /
Self-supported / Bikepacking-Szene in Deutschland?

René: Die Bikepackingszene ist total international finde ich, das gefällt mir. Vielleicht auch weil wir (noch?) so eine relativ kleine Gemeinschaft sind. Egal wo auf der Welt ein Bikepackingrennen startet, wenn ich mir die Startliste anschaue hab ich einen großen Teil der Namen schon mal gehört und zumindest ein paar kenne ich fast immer auch persönlich.

In Deutschland haben wir zwar noch relativ wenige Rennen, aber dafür gibt es viele selbstorganisierte Langstreckenfahrten wie die Grenzsteintrophy, Transcimbrica, Candy B Graveller, Cherusker, Harzer Roller und bestimmt noch einige mehr, die mir gerade nicht einfallen. Da entwickelt sich in den letzten Jahren eine tolle Szene!

KF-Ralph: Wie wichtig ist für dich die Ausrüstung/das Equipment? Mittel zum Zweck oder bist du Grammsparer?

René: Grammsparer, ganz klar! Wenn ich mir neue Ausrüstung kaufe sind Gewicht und Packmaß so ziemlich die wichtigsten Kriterien, in meinem Zimmer steht auch immer eine Waage rum. Zwar glaube ich nicht, dass das sehr viel bringt denn Gewicht ist ziemlich überbewertet – aber die Ausrüstung zu optimieren und am Rad zu feilen macht mir fast so viel Spaß wie das Radfahren selbst.

Meine Packliste für’s Navad ist knapp über 3 kg, wobei vielleicht in einem Anflug von last-minute-Panik noch irgendwas dazu kommt: https://lighterpack.com/r/c02mvc

KF-Ralph: Welches Rad fährst du bei der Navad 1000 und warum hast du dich für dieses Setup entschieden?

René: Mein Rad ist ein Canyon Lux CF 9.9. Eine wunderbare Rennmaschine, leicht und pfeilschnell bergauf wie bergab. Für’s Navad habe ich noch Ergon GX2 Griffe mit Barends sowie ein Paar Bar Ends innen am Lenker montiert für zusätzliche Griffpositionen.

Das Gepäck kommt alles in eine Alpkit Airlock am Lenker, außerdem nehme ich noch einen Salomon SLAB Hydro 5 Trinkrucksack mit, da beim Fully nur eine mittlere Trinkflasche in den Rahmen passt. Auf eine Satteltasche habe ich verzichtet, damit das Handling auf technischen Trails besser ist – zumindest die Abfahrt von der Kleinen Scheidegg kenne ich und da will man schon ab und zu hinter den Sattel gehen. Geht schön steil runter dort.

KF-Ralph: Für die Navad 1000 – Ankommen als Ziel oder Platzierung?

René: Ankommen ist doch unser aller oberstes Ziel, oder? Auf 1000 km kann viel passieren! Dieses Jahr ärgert mich meine Achilles regelmäßig, also hoffe ich dass sie diesmal durchhält. Wenn alles gut läuft plane ich unter den ersten drei ins Ziel zu kommen, aber wie gesagt: Bei so langen Strecken kann alles Mögliche und Unmögliche passieren.

KF-Ralph: Wie schaut deine Vorbereitung auf so ein Rennen grob aus?

René: Hauptsächlich viel auf dem Rad sitzen. Am Wochenende oft lange Touren und wenn ich irgendwo hin muss dann nehme ich meistens auch das Rad. Da kommen schon viele Kilometer zusammen. Einen Trainingsplan habe ich nicht, ich fahre wenn ich Lust habe. Also quasi fast immer. Im Winter mache ich viel Krafttraining, das bringt auch viel und ist eine schöne Abwechslung an dunklen Wintertagen.

KF-Ralph: Was wolltest du den Fahrern schon immer mal sagen, die sich auch in so ein Abenteuer stürzen?

René: Bivy ans Rad und los geht’s! Ohne Abenteuer wäre das Leben doch langweilig – deswegen lesen wir auch die Geschichten von Bilbo und Frodo und nicht die von Otho und Lobelia Sackheim-Beutlins, die zu Hause im Auenland geblieben sind 😉

KF-Ralph: Gibt es einen Traum den du dir auf dem Rad noch erfüllen möchtest?

René: Ja, das Transcontinental Race! Am 28 Juli ist es so weit, dann stehe ich in Geraardsbergen am Start.


Vielen Dank René für das schöne Interview, so kurz vor deiner Anreise zur Navad. Wir wünschen dir einen heiden Spaß auf dem Rad, viel Rückenwind, trockenes Wetter und tolle Begegnungen. Komm heil ins Ziel. Wir freuen uns auf deinen Bericht.

Ride on René – und bleib wie du bist 😉

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